Wie werden Etiketten, Aufkleber, Siegel oder Prägeetiketten eigentlich hergestellt?
Abhängig vom Material und dem Einsatzzweck der Haftetiketten kommen unterschiedliche Herstellungsverfahren zur Anwendung, um Rollenetiketten oder Bogenetiketten (wie etwa A4-Etiketten, Laseretiketten) herzustellen.
An Sicherheitsetiketten, Barcode-Etiketten, Prüfplaketten und Sicherheitssiegel werden zum Beispiel deutlich andere Ansprüche gestellt als an ein einfaches Etikett aus Papier. Wetterbeständige Aufkleber, chemikalienresistente Typenschilder, abriebfeste Eigentumsetiketten und langlebige Inventaretiketten werden zum Teil noch oberflächenveredelt, um bessere Haltbarkeiten zu erzielen.
Auf dieser Seite finden Sie in kurzer und vereinfachter Form Wissenswertes zu den wichtigsten Herstellungsverfahren im Etikettendruck. Für weitere Fragen stehen wir jederzeit gerne beratend zu Ihrer Verfügung.
Flexodruck
Flexodruck ist ein Hochdruckverfahren. Das bedeutet, dass auf den Druckplatten (Klischees) nur die erhabenen (hohen) Stellen Druckfarbe aufnehmen. Es handelt sich hierbei um ein Rollenrotationsdruckverfahren. Die Klischees sind sehr flexibel (daraus leitet sich auch der Name Flexodruck ab) und werden mit doppelseitigem Klebeband um den Druckzylinder geklebt. Das Klischee wird dann über eine Rasterwalze eingefärbt und gibt die Farbe auf das Bedruckmaterial ab, welches über einen Gegendruckzylinder zum Klischee gebracht wird. Als Druckfarben werden in Abhängigkeit vom Bedruckstoff lösemittelbasierte, wasserbasierte oder UV-Farben verwendet. Der Etikettendruck zur Herstellung von Papieretiketten oder Folienetiketten ist nur ein Teilbereich des Einsatzgebietes vom Flexodruckverfahren. Hauptsächliche Verwendung findet dieses Druckverfahren ansonsten weltweit im Verpackungsbereich zur Bedruckung von Folien, Kunststoffen, Papier, Pappe und Karton.
Buchdruck
Die ursprüngliche klassische Form des Buchdrucks – nämlich das manuelle Setzen von beweglichen Metall-Lettern (der Mainzer Johannes Gutenberg [ca.1400 bis 1468] gilt als Erfinder des europäischen Buchdrucks zur Herstellung von Büchern) – hat mit der heutigen Form des Buchdrucks in der Produktion von Selbstklebeetiketten so gut wie gar nichts mehr zu tun. Buchdruck zählt wie auch der Flexodruck zu den Hochdruckverfahren. Auch hier sind die erhöhten Stellen auf den Druckplatten (Klischees) die zu druckenden Flächen und nehmen die Farbe auf. Das rotative Druckwerk besteht ebenfalls aus einer farbgebenden Rasterwalze und einer Gegendruckwalze, die das Haftmaterial mit dem eingefärbten Klischee zusammenführt. Unterschiede zum Flexodruck liegen hauptsächlich in den eingesetzten Druckfarben und anderen Klischeematerialien. Buchdruck wird heute oftmals für eher kleinere Auflagen eingesetzt.
Siebdruck
Siebdruck zählt zu den Durchdruckverfahren. Die sehr zähflüssige Farbe wird durch ein feines aber robustes, auf einen Rahmen gespanntes Sieb gedrückt. Dies geschieht mit Hilfe eines so genannten Rakels. Dort, wo keine Farbe gedruckt werden soll, wird das Sieb durch eine entsprechende Schablone abgedeckt. Im Siebdruck ist ein hoher Farbschichtauftrag möglich, die Farben sind extrem deckend. Verglichen mit anderen Druckverfahren ist die Druckgeschwindigkeit ziemlich gering. Im Siebdruck produzierte Etiketten sind besonders resistent gegen Umwelt- und Wettereinflüsse und gegen UV-Strahlung. Vor allem die klassischen Autoaufkleber und Schaufensterbeschriftungen werden in diesem Verfahren hergestellt. Neben Werbung und Beschriftung spielen auch industrielle Anwendungen, sowie Textil- und Keramikbedruckung eine wesentliche Rolle.
Digitaldruck
Digitaldruck ist ein Sammelbegriff für verschiedene Druckverfahren. Die gängigsten Systeme für digitale Drucke basieren auf Laserdruck, Tintenstrahldruck oder Thermotransferdruck. Alle Digitaldruckvarianten haben gemeinsam, dass keine klassische Druckplatte (Klischee) oder eine andere Druckform nötig ist, um die gewünschten Etiketten zu bedrucken. Vorlage ist generell nur eine Datei, der Druck wird direkt vom Computer auf das entsprechende Digitaldrucksystem übertragen. Daher ist Digitaldruck hinsichtlich der Nebenkosten unschlagbar günstig im Vergleich zu herkömmlichen Druckverfahren, die aufgrund der erforderlichen Druckplatten schon Kosten verursachen, bevor überhaupt ein einziges Etikett gedruckt wurde. Einsatzbereich für Digitaldrucketiketten sind vor allem kleine und kleinste Auflagen, personalisierte, nummerierte oder anderweitig individualisierte Etikettenserien von z.B. verschiedenen Adressen, Sorten, Zutaten oder auch Prototypen und Einzelexemplare.
Heißprägung
Beim Heißprägeverfahren (auch Heißfolienprägung genannt) wird keine Druckfarbe verwendet. Stattdessen wird eine hauchdünne Polyester-Prägefolie mit hoher Farbdichte mittels eines Prägestempels durch Hitze und Anpressdruck auf das Etikettenmaterial aufgesiegelt. Als Prägefolien stehen u.a. verschiedene Metalliceffekte (gold, silber, kupfer), holografische oder Perlmutt-Effektfolien sowie diverse Farbvarianten zur Verfügung. Haupteinsatzgebiet für diese reizvollen und edel wirkenden Prägeetiketten sind die Bereiche Kosmetik, Parfümerie, Weine und Spirituosen, Confiserie und Luxusartikel.
Kaltprägung
Auch im Kaltprägeverfahren wird ohne Druckfarben gearbeitet. Allerdings werden auch keine Prägewerkzeuge benötigt, sondern nur herkömmliche Druckplatten. Mittels Druckplatte wird ein spezieller Klebstoff auf das Etikettenmaterial aufgetragen. Dann wird die Kaltprägefolie, die wie im Heißprägeverfahren u.a. mit verschiedenen Metallic-Effekten erhältlich ist, auflaminiert – also vollflächig auf das Etikett aufgezogen. Der so entstandene Materialverbund passiert dann eine UV-Trocknungsstation, wo der Klebstoff ausgehärtet wird. Anschließend wird der Träger der Effektfolie abgezogen und bleibt nur an den Stellen auf dem Etikett haften, wo zuvor der Klebstoff aufgetragen und ausgehärtet wurde. Die Optik der eher noch neueren Kaltprägung ähnelt der des traditionellen Heißprägeverfahrens und findet ebenso Anwendung zur gestalterischen Aufwertung von Produkten und Verpackungen im Industrie- und Konsumbereich.
Blindprägung
Die Blindprägung (auch Blinddruck) genannt stammt ursprünglich aus dem Bereich des Buchdrucks und ist eine Drucktechnik, die völlig ohne Farbe auskommt – weder herkömmliche Druckfarben noch Präge- oder andere Farb- oder Effektfolien kommen zum Einsatz. Das Druckbild (Schriften oder Logos) wird einzig durch Prägung auf das Etikettenmaterial aufgebracht. Hierbei unterscheidet man zwischen Hochprägung und Tiefprägung. Bei der Hochprägung ist das Motiv (Schrift oder Logo) reliefartig erhaben, bei der Tiefprägung ist es vertieft. Wenn man dennoch nicht ganz auf farbliche Effekte verzichten möchte, ist z.B. eine partielle Kombination mit Heißprägefolien möglich. Wie alle Prägeverfahren findet auch die Blindprägung hauptsächlich Anwendung zur Veredelung von hochwertigen Produkten.
Laminierung
Fast alle Etikettenmaterialien lassen sich durch eine Laminierung veredeln und somit haltbarer und robuster gestalten. Beim Laminiervorgang wird eine sehr dünne, hochtransparente Folie (z.B. aus Polyethylen oder Polyester) vollflächig auf das bereits gedruckte Etikett aufgebracht, um die Materialoberfläche und den Aufdruck zu schützen. Laminierte Etiketten sind widerstandsfähig gegen Schmutz, Abrieb, Verkratzen, Fett, Öl, Feuchtigkeit, Alkohol, Löse- und Reinigungsmittel sowie gegen eine große Anzahl von Säuren, Laugen und Chemikalien.
Lackierung
Auch die Lackierung ist eine Form der Veredelung. Je nach Anwendungsbereich stehen wasserbasierte, lösemittelbasierte oder UV-Lacke zur Verfügung, um gedruckte Etiketten mit einer schützenden, transparenten Lackschicht zu überziehen. Der Lack wird direkt nach dem Druckvorgang vollflächig auf das Etikett aufgetragen.
Stanzungen
Das Stanzen der Etikettenkontur erfolgt direkt nach dem Druckvorgang in der Druckmaschine. Als Stanzwerkzeuge dienen Stanzbleche oder Stanzzylinder, die analog zum Druckvorgang rotativ arbeiten. Nach dem Stanzvorgang wird das so genannte Gitter, also das Etikettenmaterial, das um das gestanzte Etikett herum steht, vom Trägerpapier abgezogen und noch in der Maschine als Müll aufgewickelt. Für den Anwender des Etiketts verbleibt somit nur das fertig gestanzte Etikett freistehend auf dem Trägerpapier und lässt sich problemlos abziehen und verarbeiten. Hinsichtlich der möglichen Stanzkontur sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Schon lange nicht mehr müssen Etiketten nur rechteckig, rund oder oval sein. Stanzformen in der Kontur eines Fußabdruckes, einer Erdbeere oder eines Düsenjets sind problemlos realisierbar. Eine Besonderheit stellen die Sicherheitsstanzungen dar. Unterbrochene Wellenstanzungen quer über das ganze Etikett bewirken beispielsweise, dass das Etikett bei Ablöseversuchen vom beklebten Gegenstand nicht im Ganzen entfernt werden kann. So kann bei Preis- oder Garantieetiketten das unbefugte Übertragen verhindert werden.